Am Freitag sehen wir uns wieder

von Karin Koch   

Die meiste Zeit lebt die 14-jährige Juni bei ihrem Vater in Potsdam – zum Glück! Ihre Mutter ist ein echter Kontrollfreak, für alles gibt es feste Pläne, Freiräume sind nicht vorgesehen. Wie Juni das hasst! Und jetzt soll sie auch noch in den Ferien bei der Mutter in Berlin wohnen, weil ihr Vater beruflich verreisen muss. Aber dann trifft Juni auf Sahal, einen Flüchtlingsjungen aus Somalia, der sich auf einem Kreuzberger Friedhof versteckt. Sahal droht die Abschiebung, weil die Behörden ihn für volljährig halten. Obendrein ist er in Kontakt mit kriminellen Kreisen geraten. Für Juni steht sofort fest: Sie muss ihm helfen. Doch je vertrauter sie mit Sahal und seiner Geschichte wird, umso mehr entfernt sich Juni von ihrem geliebten Vater, und schließlich haut sie auch ab. Es ist ein glücklicher Zufall, dass sie Karl trifft, einen alten Freund, der ihr und Sahal Unterschlupf bietet, und dem Juni jetzt auf eine ganz neue Art näher kommt. Karin Kochs spannende Geschichte ist getragen von einer erfrischenden, eigensinnigen Mädchenfigur, die gegen alle Widerstände ihrem Impuls folgt, dem beizustehen, der ihre Hilfe braucht. Dem Thema Flucht begegnen junge Leserinnen und Leser wir Juni selbst: im Zusammentreffen mit einem Gleichaltrigen, der erst ein Fremder ist und dann ein Freund.

In Gedankensplittern, Dialogen, psychologisch einfühlsamen Sequenzen – die ihre Ängste schildern – entwickelt sich eine moderne Großstadtgeschichte, in der Tradition von Erich Kästner und Andreas Steinhöfel. Spannend, mit typischen Krimielementen, aber unsentimental und kritisch erzählt Juni von ihren Erfahrungen, als Flüchtling in ihrer eigenen Stadt zu leben. – SZ, Roswitha Buddeus-Budde

Peter Hammer Verlag | hc | 210 S. | 2017 | 12+

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